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„Niemand braucht eine Mobbing-Partei“

… so titelte der CICERO am Freitag.

Nun … natürlich hat der CICERO recht. Eine Mobbing-Partei braucht in der Tat niemand. Aber die Piratenpartei ist sicherlich KEINE Mobbing-Partei. In unserer Partei hat Mobbing sicher eine ähnliche Verbreitung wie in jeder anderen Organisation auch. Ich kann und will das nicht gutheißen – aber wir Menschen, oder Teile von uns, handeln eben nach diesen Strickmustern.

Jetzt können wir uns lange darüber unterhalten, ob eine Rücktrittsankündigung wie die von Matthias Schrade ein probates Mittel sind um Konflikte zu beenden – für mich ganz klar nein. Jedenfalls ist dieser Druck, der nun auf Johannes Ponader ausgeübt wird, nicht ok. Auch Ponaders Verhalten ist nicht ok, aber an der Stelle kommen wir genau an den Punkt, der uns PIRATEN von den anderen Parteien unterscheidet: Bei uns erfährt jeder, schon im frühen Stadium, von Streitigkeiten auf allen Ebenen. Das kann man dann doof finden, aber das ist eben der Stil, den wir uns auf die Fahnen geschrieben haben.

Ich habe insgesamt ja ein sehr gespaltetenes Verhältnis zu Rücktritten. Ich verstehe grundsätzlich nicht, dass sich Leute nicht ausreichend mit den Ämtern, für die sie kandidieren beschäftigen und auch so schlecht einschätzen können, so dass es immer wieder zu diesen Rücktritten kommt. Vielfach kann man Rücktritte aber darauf zurückführen. Ämter zu übernehmen ist eben kein Zuckerschlecken, zumindest nicht in einer Organisation dieser Größenordnung. Ja und sicher müssen wir auch über die Bezahlung wichtiger Parteiämter reden. Jedenfalls: Rücktritte sind in der Öffentlichkeit ein schlechtes Signal – auch wenn wir das intern anders sehen, weil wir eben den Personen gar nicht soviel Bedeutung zukommen lassen. Mein lieber Kollege Oliver Bayer hat das in seinem Blog bereits sehr gut beleuchtet: Die Vorstände innerhalb der Piratenpartei sind für die Fortsetzung unserer politischen Arbeit schlicht unwichtig. Ich will damit in keinster Weise die sehr intensive Arbeit der meisten Vorstände schmälern – aber Personal ist innerhalb der Partei immer ersetzbar.

Whatever: Beide Kandidaten habe ich in ihrer Kandidatur für den Bundesvorstand unterstützt. Ich finde es sehr bedauerlich, dass wir nun die beiden im Vorstand verlieren. Jedenfalls möchte ich beiden für Ihre Arbeit danken und weiß dabei auch, dass beide sich auch weiter für die PIRATEN engagieren werden. Danke Julia, danke Matthias – für Eure Arbeit im Ganzen.

Ich hatte ja eben geschrieben, dass es eben unser Stil ist, Dinge öffentlich zu diskutieren. Allein, wenn ich mir grad die letzten 20 Tweets auf der Twitterliste der Landeszentrale für politische Bildung NRW ansehe, dann finde ich nur einen Tweet aus anderen Fraktionen. Ich will nicht auf den Inhalt eingehen, aber allein die Anzahl zeigt, welche Wertschätzung z.B. dieses Medium für uns hat. 17 der 72 auf der oben genannten Liste hinzugefügten Mandatsträger sind PIRATEN. Wenn wir uns die Anzahl der Tweets anschauen, klafft das Verhältnis noch viel weiter auseinander. Fast alle 20Piraten sind also bei Twitter, viele auf Facebook oder mit eigenen Blogs im Internet unterwegs.

Es ist demzufolge nur logisch, dass aus diesen Äusserungen, die eben alle öffentlich sind, auch mal was „Gate-taugliches“ rauskommt.

  • Vielleicht sollten aber grad wir PIRATEN nicht immer alles skandalisieren. Wir entwickeln hier immer wieder und Stück für Stück unsere eigenen Gates.
  • Vielleicht sollten wir uns auch mehr auf den politischen Gegner konzentrieren. Auch die machen Fehler, häufig sogar viel gravierendere als wir. Wenn ich mir das #pressegate der CSU oder die Nebeneinkünfte von Steinbrück ansehe, ist das, was wir hier fabrizieren doch allenfalls ne Randnotiz wert.
  • Vielleicht sollte jeder von uns, wenn auch nur kurz, darüber nachdenken, was er da grad so auf die Reise schickt. Ich beziehe das natürlich auch auf mich. Ich möchte auch gar nicht, dass wir uns komplett drehen. Aber ein bisschen nachdenken schadet ja nicht 🙂

… an Euch an dieser Stelle auch direkt ein Aufruf. Schon kurz nach unserem Einzug in den Landtag schloss ich mich dem Projekt Solid Feedback an. Bis heute erreichte mich über diesen Weg genau eine Mail. Wenn mich aber niemand auf Fehler anspricht, gehe ich davon aus, dass ich alles richtig mache… Bitte nutzt dieses System oder die vielen anderen Kontaktwege, wie Twitter, die Kommentarfunktion in diesem Blog, Facebook oder sonstwas um mit mir, mit uns, in Kontakt zu treten und über unsere Fehler zu reden. Nur so können wir Fehler in Zukunft abstellen. Und vielleicht kommt am Ende nicht jedes mal ein riesen Shitstorm raus, sondern irgendwas konstruktives.

Und noch was zu den Umfragewerten. Ja, es waren jetzt zwei mal 4%. Wahrscheinlich wird’s bis zur Bundestagswahl auch noch schlimmer. Möglicherweise werden es sogar auch mal 3 oder gar 2%. Aber: who cares? Vermutlich ist es sogar besser, wenn wir im Moment so niedrig gehalten werden. Denn eins ist klar: Im Wahlkampf ziehen wir alle an einem Strang. Wahlkampf können wir, weil wir da für unsere Ideale kämpfen. Ich jedenfalls freue mich auf den Wahlkampf – unabhängig davon, ob wir dann grad irgendwo mit 2, 5 oder 8% gehandelt werden. Wir werden das schaffen. Um es mit Mahatma Gandhi zu sagen:

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“

Wie auch immer, jetzt heißt es weitermachen. Der BPT steht unmittelbar vor der Tür. Viele sehr gute Anträge warten darauf, beraten zu werden und uns wieder ein Stück nach vorn zu bringen. Ich hoffe, dass ich möglichst viele von Euch dort sehe und ich auch wieder die Gelegenheit habe, viele neue Gesichter auch persönlich kennenzulernen.

In dem Sinne: Glück auf!

 

4 Kommentare zu “„Niemand braucht eine Mobbing-Partei“

  1. Pingback: Piratenfraktion NRW – Blogpost von Daniel Düngel

  2. Das Matra >Personal ist innerhalb der Partei immer ersetzbar< höre ich hier zwar häufig, aber das erinnert mich dann doch arg an meine Studienzeit und manche Jobs an Fließbändern, bei denen genau dies von den Unternehmen propagiert wurde. Ich glaube, dass die Partei nur existiert, weil sie von ihren Mitgliedern geliebt und gelebt wird, und das kunterbunt. Selbstdarsteller egal welcher Art sind da eher hinderlich – ob nun Lokalebene oder im Vorstand.
    Gruß, Tante Anna

    PS
    Das mit dem Mobbing ist schon so – der Umgangston auf MLs ist teils äußerst ruppig und wenig respektvoll, was aber eher ein digitales Phänomen ist und mit der sprachlichen Verarmung im Post-TV und Digitalzeitalter einhergeht.

    Ansonsten: +1

  3. Ulli Weber

    Ich denke nicht, dass Personal beliebig austauschbar ist. Politik braucht Charaktere, die ihr Handeln glaubwürdig darstellen. Marina ist ein solcher Charakter. Durch ihre charmant- rebellische Art hat sie piratigen Anliegen ein Gesicht gegeben, das durch die Erscheinung von Johannes Ponader rein äusserlich eher karikiert wird. Reine Inhalte sind das Ideal der PIRATEN, jedoch glaube ich, dass diese ohne Bezug zu Personen, die diese Inhalte rüberbringen, zumindest derzeit nicht funktionieren.

    • Ja, ich denke auch, dass wir mit fähigen Personen und somit auch zum Teil „Gesichtern“ in den Wahlkampf gehen müssen. Dennoch erstarren wir nicht, wenn mal einer ausfällt.

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