Allgemein Piratiges

Ein Gastbeitrag: Es reicht!

Ein Gastbeitrag von Bernhard Kern (@nutellaberliner) und Mark Neis (@einfachnurmark) … warum? Weil er gut ist.
Wir haben vier Landtagsfraktionen, sehr viele kommunale Mandate und alle haben ein Problem gemeinsam: Zu wenig Unterstützung. Viel zu wenig. Und statt uns daran zu setzen und unsere Programme Realität werden zu lassen, fällt Vielen nichts besseres ein, als sich auf Twitter gegenseitig selbst zu zerfleischen, in stundenlangen Mumblesitzungen Selbstbeschäftigung mit Dingen zu betreiben, die selbst innerhalb der Partei eine eher untergeordnete Relevanz haben.
Menschen werden systematisch von einem Mob angegriffen, weil sie angeblich dem falschen Flügel angehören oder weil sie angeblich Fehler gemacht haben. Wir machen Leute fertig, buchstäblich. Und liefern sie – bewusst oder unbewusst – den Nazis aus.
Wir setzen uns mit Symbolen auseinander, weil sie – so könnte man meinen – den Gral des Bösen darstellen. Inhaltliche Arbeit findet dafür kaum mehr statt.
Die Medien finden unsere Gates nur noch deshalb interessant, weil wir sie öffentlich hochkochen und den Medien das Futter zuspielen, in der Hoffnung, dass der böse Gegner endlich austritt oder ausgeschlossen wird. Inhaltliche Arbeit wird dann immer noch nicht stattfinden.
Es scheint wichtiger zu sein, öffentlich die eigene Gegenposition irgendwo zwischen Unzufriedenheit und Unvereinbarkeit darzustellen, als einen positiven Gegenentwurf zu entwickeln.
Die Energie, die momentan immer wieder in parteiinterne Streitigkeiten fließt, wirkt destruktiv. Dabei ist der Streit an sich notwendig und gerechtfertigt. Allerdings sollten wir nicht über die Symbole streiten, sondern über die Fragen, die eigentlich dahinter stehen:  In welche Richtung wollen wir politisch? Wie definieren wir uns selbst? Sind wir liberal oder links – oder vielleicht linksliberal? Oder doch etwas ganz Anderes, Neues – Progressiv vielleicht? Haben wir uns nicht früher berechtigterweise geweigert, uns in das Links-Rechts-Schema pressen zu lassen und so gerne betont, wir seien “vorne”? Dann sollten wir uns darüber unterhalten, wo wir stehen und wo wir eigentlich hinwollen. Diese Partei hat durchaus Platz für linke wie auch für liberale Positionen.
Unterzeichner
————————————
nutellaberliner
Mark Neis @einfachnurmark
Florian @farddizzle Deissenrieder
Wolfgang Britzl @wolfgang_britzl
Thomas Mayer @ResiduumMuc

19 Kommentare zu “Ein Gastbeitrag: Es reicht!

    • Teilweise … aber nein, nicht pauschal und schon gar nicht immer. Im aktuellen Fall bei Anne sehe ich das aber durchaus so.

    • Haifischmade

      Angesichts der Tatsache (=dem Fakt), dass Personen aufgrund des Bombergates zurzeit von rechtsradikalen mit tw. (sex.) Gewalt und Tod bedroht werden, ist das nicht nur eine Meinung, sondern eine Notwendigkeit.
      Getragen von der Hetze die dort stattfindet, aufgrund von nicht einmal bewiesenen Vorverurteilungen, surfen die Rechten nämlich lustig mit. Von deren Aktionen gerade distanziert sich nämlich komischerweise kaum jemand, nur alle von einer Person, die zu Femen gehörte und irgendwie von einer Boulevardzeitung mit den Piraten zusammengeworfen wurde.

      In diesem Sinne haben nutella und mark einfach nur Recht wenn sie sagen, dass von der eigentlichen Arbeit abgelenkt wird, nur weil einige meinen, die Gunst der Stunde eines Gates nutzen zu können und alles andere übersehen oder liegenlassen.

      Back to work.

    • Ich kann die Nachfrage nicht nachvollziehen. Ja, genau das passiert(e). Die Aktion von Mitgliedern einer anderen Gruppe, die eventuell auch bei uns Mitglied sein können, beziehen einige Piraten auf die Partei – weil so ein lokales Käseblatt meint, jemand “exklusiv” wiedererkannt zu haben. Und PIRATEN auf Twitter steigen drauf ein und suchen – mal wieder – auf NACKTBILDERN(sic!) die politische Erlösung.
      Scheiß egal, wie weit man sich mit der Antifa beschäftigen will, aber das dabei fröhlich bei der Enttarnung einer sichtlich anonym bleiben Person geholfen wird, will man halt grad nicht sehen. Das daraus handfeste und ernstzunehmende Bedrohungen durch Neonazis entstehen und nachweislich in diesem Fall entstanden sind, ist Realität. Da kann man sich drunter weg ducken und Vogel Strauß spielen. Ändert nur nichts an der Tatsache an sich.

      So scheiße die Aktion in Dresden war, wer immer das war, aber in dem Moment wo unsere Mitglieder (m/w/*) von Nazis mit körperlicher Gewalt bedroht werden, sollte die Richtung der Diskussion und jeder Stellungnahme klar sein. Und um es aus eigener Erfahrung zu sagen: Von rechtem Pack bedroht zu werden ist kein gutes Gefühl und schränkt die meisten in ihren Handlungen ein.
      (Noch mehr als beim Kernthema Überwachung…)

      Ja, unfreiwilliges Outing liefert Menschen aus!

      Und ich hab jetzt Blutdruck…

  1. “und liefern sie den Nazis aus”. Mit dem Satz krempelt Ihr den Text doch genau so auf den Kopf um.

    Gerade Leute aus dem Berliner Verband zerren die Partei immer wieder in eine extrem-linke Ecke die viele Mitglieder und Wähler Abstand nehmen lässt.

    Das war leider nix. Auch wenn ich glaube das es gut gemeint ist.

    • Hey. Wow. Gruppenspezifischer Hass und gruppenspezifische Diskreditierung. Ließ dir dazu vielleicht mal irgend was durch. Notfalls nimm die Wikipedia oder auch das Parteiprogramm, dass so oft hoch gehalten wird…
      Und Verallgemeinerung… Ja das zeugt ganz viel von “denk selbst”… Oder sind damit immer nur die anderen gemeint?

  2. +1!

    Danke für diesen Beitrag.

  3. “Menschen werden systematisch von einem Mob angegriffen, weil sie angeblich dem falschen Flügel angehören oder weil sie angeblich Fehler gemacht haben. Wir machen Leute fertig, buchstäblich.”

    Jo, bis dahin richtig. Und dann kommt die Einschränkung, die an Sachlichkeit leider zweifeln lässt. Denn das können beide Seiten gut. Auch wenn ich nicht behaupten will, dass ein Mob aus Piraten so schlimm ist wie eine Horde Nazis, die an eine Tür klopfen. Aber Leute fertigmachen, das können beide Seiten wunderbar…

  4. Gernot Köpke

    Es gibt bei den Piraten eine bewundernswert große Vielfalt. Lassen wir die auf Twitter rumspringenden, wohl eher an Langeweile leidenden “Gate-ianer” einfach ins Leere laufen, indem wir nicht einfach jedem Empörzwerg Hinterher-Retweeten und Faven 🙂
    Mich erinnert das apokalyptisierende “Gaten” eher an “Viel Lärm um Nichts” 😉
    Politik hat was mit Prioritäten zu tun. In unserem KV starten wir deshalb nun auch einen zusätzlichen “Arbeits-Stammtisch”, um Dinge konkret voran zu bringen…

  5. Ihr wisst schon, dass in diesem Kontext auch diese, nicht ganz so gewaltlos ablaufende Aktion eines anderen Mitglieds der Piratenpartei eine Rolle spielt? http://www.mopo.de/politik—wirtschaft/femen-protest-in-berlin-nackte-feuer-attacke-auf-russische-botschaft,5066858,26129132.html. (sorry für den Link zum Boulevard)

    Und unabhängig davon, vielleicht bin ich ja mittlerweile zu alt, um zu verstehen, warum ein so sensibles, komplexes und Pietät gebietendes Thema (die Bombardierung Dresdens 1945), an dem sich schon Generationen von Historikern die Zähne ausgebissen haben, anhand von – aus meiner Sicht dummen – Sprüchen auf den nackten Möpsen einer EU-Parlamentskandidatin der Piratenpartei ausdiskutiert werden soll.

    Eindeutig über das Ziel hinausgeschossen sind mMn zuerst die selbsternannten Aktivistinnen. Was natürlich nicht die von Euch beschriebenen »Angriffe des Mobs« gegen sie rechtfertigt.

  6. +1
    Danke für den Beitrag!

  7. Der 5.000. Aufruf zur Vernunft. Gäääähn. Wird nicht wirken.

    Die Piraten haben nur noch ein Chance: Die Idioten rauszuwerfen. Wer sich nicht benimmt oder der Partei Schaden zufügt, fliegt.

    Aber das wird wohl nicht passieren, weil man sich wieder “wir sind offen, wir sind nicht rechts und nicht links” versteckt. Also bleiben die Idioten bei den Piraten und die Piraten wundern sich, warum sie so viele Idioten in den eigenen Reihen haben.

    Aus jedem Sportverein werden renitente Mitglieder rausgeworfen. Warum schafft ihr das nicht? DonAlphonso hat sich schon angeboten, das Katapult für den Rausflug zu bedienen 😉

Schreibe einen Kommentar zu xpac Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.